Beim Isenheimer Altar

Kürzlich  war ich wieder einmal  beim Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar. Ich bin sicher kein klassischer Wallfahrer. Aber ich muss einfach diese Kreuzigung mindestens ein paar Mal im Jahr sehen. Dann geht es mir besser. Ich finde diese Malerei von Matthias Grünewald sehr beeindruckend. Sie ist keine blosse Illustration der historischen Überlieferung, sie manifestiert etwas, was mich berührt.

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Zurzeit befindet sich der Altar sowie die Gemälde von Martin Schongauer allerdings nicht im Museum selber, sondern in der nahe gelegenen Dominikanerkirche. Diese dient schon länger ebenfalls als Museum. Sie beherbergt schon lange eine wunderbare Darstellung von Maria im Rosenhaag.

Mein Schnappschuss kann den Altar bzw. das erste Triptychon natürlich nur mehr andeuten als zeigen. Aber schon hier werden verschiedene Rottöne deutlich, die einen Zusammenhang zum Blutkreislauf haben. Ganz links wird der Märtyrer Sebastian von einem hellroten, durchlichteten Tuch umwogt, während rechts aussen der Heilige Antonius mit einem schweren Stoff umhüllt ist. So werden malerisch arterill frisches und venöse erschöpftes Blut thematisiert. Die gekreuzigte Jesusgestalt in der Mitte zeigt ein aus seinen Wunden dick zähflüssig tropfendes Blut. Er ist flankiert von Johannes dem Evangelisten (links) und Johannes dem Täufer rechts. Diese sind ebenfalls mit roten Umhängen umgeben. Links ist der Stoff dicht aber edel und rechts wird er grob und durch die Kombination mit einem Fell nahezu animalisch. „Blut ist ein ganz besonderer Saft.“

Der Künstler Matthias Grünewald hat in seinen Isenheimer Altar soviel konkretes Wissen, soviel Dynamik, Lebensweisheit und praktische Kenntnisse hineingemalt, das mir vom Bedeutungsüberschuss in diesem Werk immer wieder halb schwindelig wird. Dann aber stellt sich eine erhabene Stimmung ein, wie sie (aus meiner Sicht) vor allem grosse, wirklichkeitsnahe Kunst erzeugen kann.

Ich finde es grossartig, dass dieses bedeutende Werk so leicht zugänglich in der Nähe von Basel zu finden ist. Die Altstadt von Colmar ist selber schon eine Reise wert. Kaum befindet man sich in einem Zug von Basel nach Colmar, ist man bereits auf einem Kurzurlaub im Elsass. Das gefällt mir.