Petrus Reliquien in Köln

Mit einem gewissen Erstaunen habe ich letzten Freitag den Domschatz vom Kölner Dom betrachtet. Dabei habe ich entdeckt, dass nicht nur die Gebeine der Heiligen Drei Könige ein starker Magnet für mich sind. Es sind auch andere Reliquien, die mich sehr berühren. So sind es – unter anderem – immer wieder Darstellungen und Reliquien vom Heiligen Sebastian, die mich beeindrucken. Hier aber waren es die einfachen Reliquien des Petrus und ein Nagel sowie Holzfragmente von der Kreuzigung Jesu, die mich berührt und bewegt haben.

 

Petrus Reliquien
Petrus Reliquien Domschatz Köln

Besonders beeindruckend – und meinen Glauben sowie meine Ansichten über das Urchristentum unterstützend – finde ich die Schlichtheit des Petrusstabs. Dieser steht in teils krassem Gegensatz zu den in der Regel unglaublich reich, ja verschwenderisch dekorierten und gearbeiteten Bischofsstäben, die an anderer Stelle im Domschatz ausgestellt sind. Diese zeigen eher einen Hang zu weltlichen als zu geistlichen Schätzen. Auch an diesem Original gibt es – wenn auch nicht sehr auffälligen – wertvollen Schmuck. Dieser wurde allerdings erst mehrere Jahunderte später, also nachträglich hinzugefügt.

Erschüttert haben mich auch die Kettenglieder, mit denen Petrus gefesselt war. Zumal eine Kreuzreliquie in diesem Domschatz dezent aber deutlich thematisiert, dass Petrus kopfrunter gekreuzigt worden ist. Die Fesseln, die Kettenglieder weisen – für mich – in ihrer Rohheit und Grösse bereits auf dieses tragischr Ende der Verfolgung von Petrus hin.

Lohnenswert: Buddhas-Reliquien auf Arte

Ein spannender Film in der Mediathek von Arte. Die scheinbar zufällige Entdeckung des Grabs von den Buddha-Reliquien, die der Familie Shakya zur Bestattung übergeben wurden. Die Shakya Familie ist Buddhas Blutsverwandschaft. Shakyamuni bedeutet auch soviel wie: Der Heilige der Shakyafamilie.

(Film leider nicht mehr verfügbar)

 

Lebensstrasse – Workshop

Ich freue mich auf den Workshop Anfang August mit Wilfried Schneider. Der Norddeutsche wird seine Arbeit zur Lebensstrasse vorstellen. Der Workshop wird am 7./8.8. in Zürich stattfinden: IKP Zürich Kanzleistraße 17,  8004 Zürich. Wer noch Interesse hat, findet vielleicht noch einen Platz. Die Anmeldung erfolgt über das IKP oder per Mail. Ein Infoblatt gibt es hier: Workshop ZÜRICH 2015.

 

Lebensstrasse legen
Lebensstrasse legen mit Wilfried Schneider

Die Arbeit mit der Lebensstrasse erlaubt eine durch Symbole repräsentierte Arbeit am Lebensweg und kann für verschiedene Fragen an das eigene Leben genutzt werden. Ein Einsatzgebiet ist das Verständnis der jetzigen Lebenskonstellation. Wie ist das eigentlich alles so geworden? Wie ist eigentlich meine Berufswahl verlaufen? Was hat mich in meinen Entscheidungen bestimmt? Ist das noch wichtig? – Manchmal geht uns im Leben der Bezug zur eigenen Biografie (teilweise) verloren und muss neu hergestellt werden.

Wilfried Schneider beschreibt seine Arbeit mit Symbolen auf seiner Webseite so: „Wo Sprache nicht ausreicht, beginnt die Arbeit mit Symbolen. Symbole der Hoffnung oder Es ist alles schon da. Du musst es nur finden. Alles beginnt mit den Fragen Was ist das Problem? Was soll anders sein? Wie soll es sein? Wie komme ich dorthin? Wer kann das in Lebenskrisen schon genau benennen? Damit verbundene Gefühle spüren, akzeptieren, ordnen? Das scheint oft schwer, unmöglich. Alle Interventionen und kreativen Medien sind in Situationen therapeutischer Arbeit entstanden, in denen Sprache nicht zur Klärung ausreichte. Sie sind Handwerkszeug, das der Klient im wörtlichen Sinne begreifen kann.“

Ich habe seine Arbeit durch eine Studentin von ihm in einem Kurzworkshop kennen gelernt. Und ich war sehr beeindruckt, wie einfache Gegenstände zu Symbolen für Kräfte, Stationen oder Ziele im eigenen Leben wurden. Das war beeindruckend. Hier konnte man ohne Überbau sehen, wie wir einen grossen Schatz von Weisheit und Kreativität mit uns tragen. Dieser kann, wenn die Sprache und das eigene Denken (scheinbar) versagen, durch Arbeitsmethoden, wie die von Schneider ans Tageslicht befördert werden.

Vielleicht gelingt es sogar, dass ich an diesem Workshop auf etwas stosse, das sich für mich bisher vor mir selbst verborgen hat. Ich bin gespannt.

Vereinfachen

Es ist mal wieder soweit. Meine vielfältigen Interessen zerren in unterschiedliche Richtungen und fordern mich heraus, mein Leben wieder zu vereinfachen. Das bedeutet, ich verzichte auf bestimmte Aktivitäten und organisiere mich in manchen Feldern neu. Zudem setzte ich die Schwerpunkte leicht anders.

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(public domain, Autor Bo Krantz Simonsen)

Im Moment beschäftigen mich vor allem drei Dinge: meine vielfältige Arbeit für das Unternehmen Mitte, meine Fortbildungen im Bereich Buddhismus (Drikung Kagyu Tradition) und meine Arbeit als Dramaturgischer Berater für die Neuinszenierung von Goethes Faust am Goetheanum.

Mein Interesse vor allem am tibetischen Buddhismus entspringt meinen Studien und Meditationen im Feld der Anthroposophie, vor allem aus meinem Interesse an Karma, Wiedergeburt/Wiederverkörperung und Bewusstsein. Die Drikung Kagyu Tradition des tibetischen Buddhismus ist eine kleine Tradition von hoher Qualität. Ich schätze den persönlichen Übertragunsgstil, der sich vor allem auf persönliche Überlieferung stützt. Zur Wahrung der Authentizität wurden Methoden entwickelt, die formalisiert aber nicht bzw. nur grob verschriftlicht sind. Das finde ich sehr spannend.

Meine Beschäftigung mit Goethes Faust, geht bis in die Gymnasialzeit in Hamburg zurück. Die Beschäftigung mit Faust war zugleich meine Vorschule für die Mysteriendramen Rudolf Steiners und seiner Anthroposophie, die ich kurz nach Absolvierung des Gymnasiums kennen lernte.

Ich bin enttäuscht

Ja, ich bin enttäuscht. Denn es gab in meinem Leben verschiedene Lehrer oder Autoritäten die ein Ende des sogenannten Kali Yuga oder Eisernen Zeitalters zusammen mit dem Beginn des Goldenen Zeitalters (Satya Yuga) verkündet hatten. Nun stellt sich heraus, dass das (von mir) unmöglich so empfunden und gesehen werden kann. Und bei einer einfachen Recherche zu diesem Thema finde ich eine Erklärung dazu in folgender Grafik.

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Das ich enttäuscht bin/wurde, ist gut. Denn entweder habe ich mich selber getäuscht oder habe mich täuschen lassen. Nun aber wurde ich aus der Täuschung entlassen. Daher bin ich immer wieder gerne enttäuscht, auch wenn es sich meist zunächst nicht gut anfühlt. Denn a) wird dadurch klar, dass ich mich und die Welt auf falsche Art angesehen habe, und b) wird klar, dass ich aufgrund dieser Anschauung vielleicht vermeidbare Fehler begangen habe, sowie c) zu merken, dass die Basis Handeln/Glauben aufgrund von Aussagen von Menschen, die ich als Autorität ansehe, dadurch nicht zuverlässiger werden, dass ich sie als Autorität ansehe. Wir sitzen doch alle im gleichen Boot und sind immer wieder aufgefordert unsere Glaubenssätze und Annahmen zu prüfen, zu hinterfragen und unserer Erfahrung und eigenen Einsicht anzupassen.

Das obige Bild ist eine Darstellung, die ich im Zusammenhang mit dem Lehrer von Paramahamsa Yogananda, dem Inder Yukteshvara – es gibt verschiedene Schreibweisen -gefunden habe. Letzterer hat zu Lebzeiten eine vielbeachtete Arbeit namens „Die Heilige Wissenschaft“ verfasst. Hierbei geht es nicht um eine heilige Wissenschaft, sondern um eine Wissenschaft des Heiligen. (Rudolf Steiner hatte ebenfalls mal darauf hingewiesen, dass seine „Geheimwissenschaft“ nicht eine geheime Wissenschaft, sondern eine Wissenschaft des nicht sinnlich Offenbaren – aber durch das sinnlich Offenbare bereits vermittelte –  ist. Sie befasst sich also mit dem Gebiet der „spirituellen“ Erfahrung. Und bei Yukteshvara geht es auch um Spiritualität.)

In Zusammenhang mit der Lehre von den Yugas (Zeitaltern) und den Visionen (Anschauungen) von Yukteshvara wären wir keineswegs am Ende des Kali Yuga oder im Goldenen Zeitalter angekommen. Vielmehr befänden wir uns im Bronzenen Zeitalter.

Im Grunde ist das ja vielleicht nicht (mehr) so wichtig. Denn es ist ja inzwischen klar, dass solche Erklärungen oder Anschauung Ordnungscharakter haben und im besten Fall Trösten und Motivieren. Sie trösten über Probleme in der Welt hinweg, indem sie andeuten, dass diese Probleme eben auch Ausdruck eines unvollkommenen Zeitalters – also der Rahmenbedingungen unserer gegenwärtigen Existenz – sind. Und si motivieren Anstrengungen an der Schaffung einer neuen Wirklichkeit mitzuwirken, oder zumindest Durchzuhalten, bis eine neue Wirklichkeit – also bessere Rahmenbedingungen – entstehen.

Mir ist das nicht mehr so wichtig, weil ja klar, dass ich egal warum es so ist, mit dem Zurechtkommen muss, was gerade ist.

Die Krux ist natürlich. dass jede Art der Anschauung, mit ihren Begriffen und Gefühlen, die sie erzeugen oder wecken, an der Gestaltung meines Weltbildes und Welterlebens mitwirken. Daher ist es wichtig und nicht einfach nur blöd, sich mit Weltmodellen und Anschauungen zu befassen, die trösten und motivieren können. Vor allem aber sollen mir solche Modelle  Handlungsfähigkeit herstellen oder verbessern . Und sie sollen mir Einstellungen und Haltungen vermitteln, die sich als hilfreich, nützlich und der Gesundheit förderlich erweisen.

Inzwischen fühle ich mich besser. Ich bin enttäuscht worden und zunächst war es eine bittere Pille. Denn irgendwie hatte mir die Vorstellung gefallen, dass man sozusagen wie beim Lichtschalter einfach zwischen Dunkelheit und hellem Licht wechseln kann. In der Natur gibt es aber oft Übergange. In Europa mehr als am Äquator. Wir haben den Morgen und den Abend. Die Nacht, den Tag und die Dämmerung.

Vielleicht sind diese einfachen Metaphern, die man in ihrer Verschiedenheit jeden Tag und in Zusammenhang mit den Jahreszeiten als situativ verschieden erleben kann, besser geeignet, Veränderung und Rahmenbedingungen zu thematisieren als die grossen Bilder der Yugas. Es kann durchaus spannend sein, die kosmischen, astrologisch-astronomischen Zusammenhänge zu denken und sich zu fragen, welche Auswirkungen sie auf das eigene Leben und die Menschheit haben. Denn es ist ja relativ schnell sichtbar, dass es Einflüsse der Sterne und Planeten gibt. Auch wenn wir über das Prinzip der Entscheidung, sowie mit Zielsetzung und persönlicher Anstrengung Einfluss nehmen können. Persönlich finde ich jedoch die Suche nach den richtigen Intentionen und Anliegen wichtiger als die Reflexion auf die Rahmenbedingungen. Denn erst wenn mir meine Ziele oder Anliegen klar genug sind, stellt sich die Frage, ob die Rahmenbedingungen dafür gerade eher förderlich oder hinderlich sind. Ich denke, der Mensch hat heute die Aufgabe, sich damit auseinander zu setzen, einen eigenen Weg durchs Leben zu finden. Und daran ändert sich nichts dadurch, dass man die Gegenwart als Kali oder Satya Yuga anschaut. Wichtig aber scheint mir, dass das eigene Anschauen bemüht bleibt, die Wirklichkeit so zu erfassen, dass diese Anschauung sich als hilfreich nicht nur für das eigene Ego, sondern für das ganze Eco-System erweist. (Man kann hier vielleicht merken, dass ich auch mit Otto Scharmers ULab bzw. seinem Modell „Leading from the Emerging Future“ befasse …)

Wenn ich enttäuscht (worden) bin, freue ich mich (manchmal erst nach einer Weile), dass ich der Wirklichkeit ein Stück nehmen gekommen bin.

Beim Isenheimer Altar

Kürzlich  war ich wieder einmal  beim Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar. Ich bin sicher kein klassischer Wallfahrer. Aber ich muss einfach diese Kreuzigung mindestens ein paar Mal im Jahr sehen. Dann geht es mir besser. Ich finde diese Malerei von Matthias Grünewald sehr beeindruckend. Sie ist keine blosse Illustration der historischen Überlieferung, sie manifestiert etwas, was mich berührt.

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Zurzeit befindet sich der Altar sowie die Gemälde von Martin Schongauer allerdings nicht im Museum selber, sondern in der nahe gelegenen Dominikanerkirche. Diese dient schon länger ebenfalls als Museum. Sie beherbergt schon lange eine wunderbare Darstellung von Maria im Rosenhaag.

Mein Schnappschuss kann den Altar bzw. das erste Triptychon natürlich nur mehr andeuten als zeigen. Aber schon hier werden verschiedene Rottöne deutlich, die einen Zusammenhang zum Blutkreislauf haben. Ganz links wird der Märtyrer Sebastian von einem hellroten, durchlichteten Tuch umwogt, während rechts aussen der Heilige Antonius mit einem schweren Stoff umhüllt ist. So werden malerisch arterill frisches und venöse erschöpftes Blut thematisiert. Die gekreuzigte Jesusgestalt in der Mitte zeigt ein aus seinen Wunden dick zähflüssig tropfendes Blut. Er ist flankiert von Johannes dem Evangelisten (links) und Johannes dem Täufer rechts. Diese sind ebenfalls mit roten Umhängen umgeben. Links ist der Stoff dicht aber edel und rechts wird er grob und durch die Kombination mit einem Fell nahezu animalisch. „Blut ist ein ganz besonderer Saft.“

Der Künstler Matthias Grünewald hat in seinen Isenheimer Altar soviel konkretes Wissen, soviel Dynamik, Lebensweisheit und praktische Kenntnisse hineingemalt, das mir vom Bedeutungsüberschuss in diesem Werk immer wieder halb schwindelig wird. Dann aber stellt sich eine erhabene Stimmung ein, wie sie (aus meiner Sicht) vor allem grosse, wirklichkeitsnahe Kunst erzeugen kann.

Ich finde es grossartig, dass dieses bedeutende Werk so leicht zugänglich in der Nähe von Basel zu finden ist. Die Altstadt von Colmar ist selber schon eine Reise wert. Kaum befindet man sich in einem Zug von Basel nach Colmar, ist man bereits auf einem Kurzurlaub im Elsass. Das gefällt mir.

Zertifikat Coach CP

Letzten Freitag durfte ich ein Zertifikat als Coach CP (Coachingplus) entgegen nehmen. Das Zertifikat ist natürlich nicht viel mehr als ein Zettel, der bestätigt, dass ich mindestens 80% der Zeit und der Übungen aktiv mitgemacht und dabei gelernt habe. Wie viel und wie gut oder gar wozu ich gelernt habe, sagt das Zertifikat nicht aus.

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Die 10 Tage Schulung waren ausgesprochen gut strukturiert. Die psychologische Basis erwies sich als tragfähig und unterstützend. Das Training basiert auf einer intensiven theoretischen und praktischen Beschäftigung mit der Individualpsychologie von Alfred Adler. Der Kursleiter Urs Bärtschi arbeitet dazu mit einem Netzwerk von Individualpsychologen zusammen, das unter anderem seine Frau Ruth Bärtschi umfasst. Diese leitet in eigener Akademie selbst einen Ausbildungsgang zum psychologischen Berater nach Adler.

Coaching Kompetenz baut sich durch Erfahrung im Umgang mit Lebensfragen auf. In diesem Sinne durfte ich erleben, wie meine nun bald 36-jährige Erfahrung im Umgang mit solchen Fragen eine zuverlässige Basis für Coachingaufgaben darstellt. Meine KollegInnen bestätigten mir ein offenes, präsentes und lösungsorientiertes Coaching. Manchmal bin ich etwas zu schnell. Ich durfte einsehen, dass die Qualität steigt, wenn der Coachee (der Gecoachte) genug Zeit, selber die Lösungen einsieht und erfasst, die sich im Prozess zeigen. Als Coach ist es nicht meine Aufgabe, selber so rasch wie möglich eine Lösung oder den nächsten Schritt zu sehen und zu formulieren. Viel mehr ist es meine Aufgabe, den anderen Menschen so zu begleiten, dass diese Erfahrung für den Coachee möglich wird.

Das wird sich mit noch mehr Übung immer besser und leichter erreichen lassen. Es ist jedoch gut, zu wissen, wo Potenziale sind, die sich weiter entwickeln lassen.

Ausbildungen oder Weiterbildungen wie diese, besuche ich, um meine Selbstkompetenz und Sozialkompetenz zu steigern. Als Mensch kommen wir nicht mit einer Gebrauchsanweisung auf die Welt. Schnell machen wir uns daher eine individuelle Logik und Weltanschauung zurecht. Diese erweisen sich (für mich) immer wieder als unvollständig und unzureichend. Daher ist es mein Ziel mich hier immer weiter zu entwickeln, weiter zu reflektieren und von mich ansprechenden Erfahrungen anderer zu gewinnen.

Yalom’s Cure – ein Kinobesuch

Yalom’s Cure ist ein Film über die Arbeit und die Anliegen des weithin bekannten amerikanischen Psychiaters und Autoren Irvin Yalom. Ich habe diesen Kinofilm letzten Sonntag im kult.kino Atelier gesehen und war und bin berührt sowie erfreut. Vor ein paar Jahren habe ich die Übersetzung seines Buches When Nietzsche Wept, – dt. Und Nietzsche weinte – gelesen und war ebenfalls berührt und beeindruckt.

Irvin D. Yalom
Irvin D. Yalom zitiert nach http://yalomscure.com/

Mich haben verschiedene Themen in dem Film angesprochen. Zum einen fand ich es sehr intertessant, dass Yalom berichtete, dass seine primäre Motivation zur Beschäftigung mit Psychiatrie aus dem Anliegen motiviert wurde, Schriftsteller zu werden. Zum anderen fiel mir auf, dass seine Motiviation Arzt zu werden aus der Begegnung mit dem behandelnden Arzt seines Vaters entstand. Dieser kam ihm moralisch und emotional zu Hilfe, nachdem sein Vater einen Herzsanfall erlitten hatte und seine Mutter zu ihrer eigenen Erleichterung dem gemeinsamen Sohn, also Irvin Yalom, die Schuld am Zustand seines Vaters gab.

Dann hat mich auch beeindruckt, dass Yalom die Erfahrungen im Umgang mit Psychotherapie schon sehr bald als viel zu wertvoll erlebt hat, um sie auf die Arbeit mit klinisch Kranken zu beschränken. Wie ich selber sieht Yalom in der Erforschung des eigenen Selbst und der psychisch konstituierenden Kräfte des Menschen allgemein, zentrale Themen des Lebens. Er selber sieht wohl diese Themen als wichtig für jedes menschliche Leben an. Für mich sind diese Themen nur in den menschlichen Leben wichtig, wo sie von dem betreffenden Menschen auch tatsächlich als wichtig erlebt werden. Für mein Leben gebe ich Yalom also recht. Für die anderen kann ich es nur für sehr wenige Menschen konkret bestätigen. Wenn man auf das Potenzial schaut, dann stimmt es. Potenziell ist in jedem Menschen aber sehr vieles möglich. Mich interessiert daher vor allem, was in dem betreffenden Leben einer Person wirklich konkret oder gerade jetzt wichtig ist.

Der Film probiert eine Aussage über das therapeutische Anliegen und vielleicht auch über das therapeutische Verfahren von Irvin Yalom zu machen.  Zumindest spielt der Titel mit dieser Möglichkeit. Im Zentrum des Films steht Yaloms eigener Lebensweg. Man könnte auch meinen, dass es sowas wie ein Ergebnis in seinem Leben gibt: seine eigene „Cure“.

Yalom berichtet, dass es seinem Selbstverständnis nach zum Leben eines Therapeuten gehört, selber fortwährend in Therapie zu sein. Gegen Ende des Films gibt Yalom einen metaphorischen Einblick auf die Ergebnisse seiner Reinigung. Darin wird klar, dass sein Denken nun in der Lage ist, mehr zu sehen, als wozu ihn seine Neugier, sein Interesse und seine Leidenschaften angetrieben hatten.

Der Film regt mich an, doch noch mehr von Yalom zu lesen. Denn ich denke, es ist ihm tatsächlich  gelungen, Früchte der Psychotherapie, auf allgemeine Weise in seinen Romanen, den Lesenden zur Verfügung zu stellen.

Was mir noch Rätsel aufgibt, ist wie ich für mich das Wort „Cure“ ins Deutsche übersetzen kann. Denn es meint sowohl Therapie wie Heilung (also das Ziel der Therapie). Es meint sowohl Verfahren als auch Theorie. Zumindest scheint es mir so. Englisch ist einfacher, mehrdeutiger und somit offener als Deutsch. Zumindest oft. Englisch ist daher impliziter als Deutsch. Deutsch ist deutlicher.

Um die Fülle der Möglichkeiten einfacher englischer Fügungen wie „Yaloms’s Cure“ so mehrdeutig zu übersetzen wie ich sie erlebe – also in Deutsch wiederzugeben – braucht es viel mehr Wörter. Solange wie in diesem Fall diese Mehrdeutigkeit auch tatsächlich aktiviert wurde. Im Moment würde ich den Filmtitel mit Yaloms Weg übersetzen. Den Buchtitel When Nietzsche Wept hätte ich eher mit Als Nietzsche schluchtzte oder Und Nietzsche schuchtzte übersetzt . Das Und im deutschen Buchtitel finde ich sehr gut. Und ich würde es vor allem lautlich vorziehen. Inhaltlich wäre – wenn ich das Buch richtig in Erinnerung habe –  das Als aber stimmiger. Denn es ist emotionaler. Und Nietzsche liess diese Emotionen – im Buch – ja erst gegen Ende zu. …

Grundrichtungen der Persönlichkeit

Grundrichtungen der Persönlichkeit (GPI®) ist ein Konzept, das Menschen nicht in Typen einteilt, sondern von der Einheit der Persönlichkeit ausgeht. Denn jede Person ist ein Individuum (eine unteilbare Ganzheit). Im Rahmen dieser Einheit gibt es je nach Individuum unterschiedlich stark ausgebildete Finalitäten (grundsätzliche Zielrichtungen). Diese zu kennen kann sehr hilf- und aufschlussreich sein.

Alfred Adler (commons.wikimedia.org)
Alfred Adler (commons.wikimedia.org) – gemeinfrei

Ob die Ausprägung der Grundrichtungen veränderbar oder längerfristig stabil ist, interessiert mich zunächst weniger als diese zu erkennen und im Alltag zu nutzen. Die Beschäftigung mit diesem Gebiet erhöht die Selbst- und Sozialkompetenz und das ist mir wichtig. Daher besuche ich zu diesem Thema zurzeit eine Coaching Ausbildung bei Urs Bärtschi (Coachingplus GmbH). Sein Buch „Ich bin meiner eigener Coach“ weist schon darauf hin, dass ein zentrales Anliegen dieser Ausbildung die Steigerung der Coachingkompetenz gerade auch im Umgang mit sich selbst ist. Das Konzept der „GPI“ basiert auf der Individualpsychologie von Alfred Adler (1870-1937). Diese ist für Bärtschi die Grundlage seines Coachings.

Nach meinem (bisherigen) Verständnis geht es Adler vor allem darum, das Streben nach Selbstwirksamkeit als natürlich zu begreifen. Zudem ist bei Adler Selbstwirksamkeit einerseits eine Grundvorraussetzung für ein (psychisch) gesundes Leben, andererseits ist sie auch das Mittel, mit dem sich ein Individuum in der Welt zum Ausdruck bringt und zeigt. Sie ist also auch eine Voraussetzung für die Erkenntnis der Kräfte des Individuums.

Entsprechend findet man bei Bärtschi Anliegen wieder, die auf die Stärkung und Ermutigung der Person zielen. Dazu gehören Leitsätze wie: Mut tut gutStärken stärken; So wie ich bin, bin ich gut genug; Du kannst mehr als du denkst. Diese einfachen Sätze sind zugleich wohltuend und Richtung weisend. Sie haben auch prophylaktischen Charkater. Denn Störungen der Selbstwirksamkeit können zu Belastungssymptomen führen, die auch als psychische Krankheit erscheinen können.

Eine psychologische Behandlung im Sinne von Adler zielt daher auf die Wiederherstellung der Selbstwirksamkeit ab. Diesen Ansatz kann man auch im Coaching nutzen.

Coaching zielt (für mich) grundsätzlich darauf ab, Menschen bei der Entfaltung ihrer Selbstwirksamkeit zu unterstützen. Mit der Analyse und Beschreibung der Grundrichtungen der Persönlichkeit bekommt man ein inneres Koordinatensystem. Dieses zeigt einerseits potenzielle Zielkonflikte in der je eigenen persönlichen Grundstruktur.  Andererseits verdeutlicht sie vermeintliche Konflikte in den Beziehungen zu anderen Menschen, die sich aus dem Aufeinandertreffen und Zusammenwirken verschiedener Ausrichtungen ergeben können. Diese müssen jedoch keineswegs inhaltliche Ziele behindern, wenn es gelingt, die verschiedenen Grundrichtungen für Synergien zu nutzen.

Die grob vereinfachenden Begriffe der „GPI“ führen zunächst vom eigentlichen Erfassen der impliziten Finalitäten (inhärenten Zielsetzungen) weg und aktivieren vielleicht zu leicht Klischees. Das ist wenig hilfreich, wenn man es gewohnt ist, sich auf Begriffe abzustützen. Wenn man jedoch die dynamischen Prinzipien begreift, kann ein einfaches Label eine Gedankenstütze für eine Erfahrung sein. Diese muss man allerdings zuerst gewinnen.

Bei der Besprechung der je eigenen Grundausrichtung(en) ist es daher wichtig, sich zuerst einmal die Dynamik der Felder zu vergegenwärtigen und mithilfe von Qualitäten eine Selbstbeschreibung oder -analyse zu formulieren. Denn diese erlaubt eine erlebnis- und nicht verstandesorientierte Erfahrung. Daraus ergibt sich eine gute Grundlage für die motivierende Betrachtung des eigenen Profils.

Die Grunddynamiken verteilen sich auf einem Koordinatensystem, das ähnlich den vier Himmelrichtungen, den vier Temparementen oder den vier Elementen bestimmte Qualitäten zeigt. In dem GPI-Testverfahren wird dieses System genutzt, um die Grundausrichtungen in der Persönlichkeit auszuzeichnen. Ein (leeres) Beispiel für so einen Auswertungsbogen sieht man hier.

GPI - Koordinantensystem
Urs Bärtschi: GPI® – Koordinantensystem

Auf der Webseite von Martina Röhner findet man ein ausgefülltes Beispiel sowie eine kurze Charakterisierung der vier Grundausrichtungen. Röhner macht den so naheliegenden Fehler diese als Typen zu beschreiben. Ich charakterisiere sie hier auf dieser Basis jedoch wie zuvor beschrieben als Richtungen:

• Die Konsequente Richtung will strikt und genau auf Regelungen achten.
• Die Freundliche Richtung will Kompromiss- und hilfsbereit sein.
• Die Geschäftige Richtung will mit vielen guten Ideen gern neue Wege beschreiten.
• Die Gemütliche Richtung will mit bewährtem System für (innere) Stabilität sorgen.

Auf die Einzelheiten und weiteren Charakterisierungen einzugehen führt an dieser Stelle natürlich zu weit.

Die Betrachtung innerer Qualitäten und Spannungen der profilbildenden Ausrichtungen in diesem System hat bei mir stets eine Überraschung mit Aha-Effekt ausgelöst. Sowohl bei der Betrachtung meiner eigenen Auswertung als auch bei Menschen, für die ich schon eine Auswertung anschauen und besprechen durfte.

Zunächst geht es mir um eine weitere Vertiefung der Einsichten in dieses innere psychische (Koordinaten-)System und die Möglichkeiten der Nutzung in Beratungs- und Reflexionsgesprächen. Spannend wird die Vertiefung im Hinblick auf die Begegnung unterschiedliche und auch auch sehr ähnlicher Profile. Die Frage: Was passiert wenn gleich und gleich aufeinandertreffen? kann hilfreich sein. Vor allem wenn man zwei mögliche Optionen bedenkt: Werden sich die Qualitäten gegenseitig steigern oder wird es zu Ausgleichsbewegungen kommen?

Für mich selber habe ich festgestellt, dass es in meinem Leben situative Unterschiede gibt: Es kommt eben darauf an. Das finde ich motivierend, denn es macht deutlich, dass es immer auch auf die Situation ankommt. Es macht also Sinn, sich die jeweilige Situation möglichst konkret zu vergegenwärtigen. Der Schlüssel zur Lösung von Fragen und Problemen liegt – lebenspraktisch gesehen – in den realen Verhältnissen, innerlichen wie äusserlichen.

Samsara ist defekt

Eine der Lieblingsbelehrungen, die ich im tibetischen Buddhismus erhalten habe, lautet: Samsara ist defekt. Wir leben in einer Welt, die in der Buddhistischen Weisheit als Eigenschaft hat, dass sie defekt ist. Sonderbarerweise erwarten wir von dieser Welt immer wieder Perfektion. Und immer wieder zeigt sich, dass Perfektion im Samsara nur eine Illusion ist. Sie ist unmöglich. Denn Samsara ist defekt.

Wellcome Library, London
Wellcome Library, London CC 4.0 – Detail of Yama, Lord of Death

An der Lehre von Samsara (Unglücklichsein) und Nirvana (Glücklichsein) gefällt mir, weil sie zeigt, das wir mit unseren Wünschen und Ansprüchen  in einer Welt leben, die uns nicht dauerhaft glücklich machen kann. Denn die Welt in der wir Leben ist aus sich heraus defekt. Und dieser Defekt führt dazu, dass wir immer wieder unglücklich werden. Das ist sozusagen ganz natürlich und normal.

Was mich ebenso überzeugt ist, dass diese Lehre sagt, dass alle empfindenden Wesen das Leiden oder Unglücklichsein kennen. Und sie (wir) mögen es nicht. Daher ist es ein natürlicher Trieb für alle empfindenden Wesen, Leiden und Unglücklichsein zu vermeiden und nach Glücklichsein zu streben. Ich denke die Verfassung der USA sagt daher die Wahrheit, dass alle Menschen ein Recht haben, nach Glück zu streben. Denn das entspricht der natürlichen Ordnung und Reaktion auf das Unglücklichsein.

Dennoch besagt die eigentliche Lehre von Samsara und Nirvana etwas anderes. Denn es geht nicht darum, das Nirvana zu erreichen. Denn obwohl es natürlich ist, den Wunsch zu haben, Samsara zu verlassen, so ist der Wunsch, im Nirvana zu bleiben, eigentlich nicht natürlich. Denn der Zustand des Glücklichseins lebt von der Erfahrung des Unglücklichseins. Wenn das Mass des Erlebten Unglücks erschöpft ist, wird das Glücklichsein bedeutungslos. Dann entsteht ohne die Kenntnis eines dritten Zustand ganz natürlich wiederum eine Sehnsucht nach Samsara. Denn Samsara hat einem ja das Erleben von Nirvana ermöglicht. Um also wieder im Nirvana sein zu können, braucht es eine neue Erfahrung von Samsara.

So denke ich. Auch wenn einige das alles vielleicht anders verstehen. Es gibt auch keine Autorität oder Quelle, auf die ich mich direkt beziehe. Das ist einfach das, was ich jetzt dazu denke, nach einigen Jahren des Denkens und Nachdenkens und Beobachtens und Mitfühlens und Experimentierens mit mir selber.

Was also ist die Alternative? Die Alternative ist eigentlich ganz einfach. Denn die Lösung ist im Spiel von Samsara und Nirvana bereits sichtbar anwesend, zumindest wenn man die von mir hier verwendeten deutschen Begriffe nimmt:

Unglücklichsein und Glücklichsein

Was es braucht, ist dasjenige, was weder glücklich noch unglücklich an sich ist aber sowohl glücklich als unglücklich sein kann. Hahahahaho, ganz klar, das Sein. Es geht also darum, das Sein zu entwickeln, zu erfassen, zu stabilisieren, zu etablieren, auszukosten, zu erfahren oder eben doch das alles nicht, sondern einfach nur: sein.

Und wenn ich mich dabei erwische, dass ich unglücklich bin, dann probiere ich mich immer wieder daran zu erinnern, dass Samsara defekt ist. Und wenn ich glücklich bin, dann probiere ich zu denken: Ja, Nirvana ist perfekt. Aber nicht dauerhaft. Dauerhaft bin nur ich. Mein Sein.

Das erinnert mich nun ganz stark an meine Erfahrungen mit der Gelassenheitsübung von Rudolf Steiner. Es ist einer der so genannten Nebenübungen zur Unterstützung der eigenen Entwicklung und Entfaltung. Ich finde, Steiner hat da ganz gute Tipps entwickelt, wie man sich selbst beim Schopfe packen kann. Auch wenn die Art der Darstellung und die Formulierung des Vorgehens nicht mehr ganz aktuell wirken …

Ich zitiere hier mal einen Teil des Eintrags „Gelassenheit“ bei Anthrowiki:

„Gelassenheit ist die dritte der Nebenübungen, die nach Rudolf Steiner unerlässliche Voraussetzung dafür sind, einen geistigen Schulungsweg gehen zu können. Es wird dadurch die Gleichmut des Gefühls erreicht.

‚Im dritten Monat soll als neue Übung in den Mittelpunkt des Lebens gerückt werden die Ausbildung eines gewissen Gleichmutes gegenüber den Schwankungen von Lust und Leid, Freude und Schmerz, das «Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» soll mit Bewusstsein durch eine gleichmässige Stimmung ersetzt werden. Man gibt auf sich acht, daß keine Freude mit einem durchgehe, kein Schmerz einen zu Boden drücke, keine Erfahrung einen zu masslosem Zorn oder Ärger hinreisse, keine Erwartung einen mit Ängstlichkeit oder Furcht erfülle, keine Situation einen fassungslos mache, usw., usw. Man befürchte nicht, dass eine solche Übung einen nüchtern und lebensarm mache; man wird vielmehr alsbald bemerken, dass an Stelle dessen, was durch diese Übung vorgeht, geläutertere Eigenschaften der Seele auftreten; vor allem wird man eines Tages eine innere Ruhe im Körper durch subtile Aufmerksamkeit spüren können; diese giesse man, ähnlich wie in den beiden oberen Fällen, in den Leib, indem man sie vom Herzen nach den Händen, den Füssen und zuletzt nach dem Kopfe strahlen lässt. Dies kann natürlich in diesem Falle nicht nach jeder einzelnen Übung vorgenommen werden, da man es im Grunde nicht mit einer einzelnen Übung zu tun hat, sondern mit einer fortwährenden Aufmerksamkeit auf sein inneres Seelenleben. Man muss sich jeden Tag wenigstens einmal diese innere Ruhe vor die Seele rufen und dann die Übung des Ausströmens vom Herzen vornehmen. Mit den Übungen des ersten und zweiten Monats verhalte man sich, wie mit der des ersten Monats im zweiten.‘ (Lit.: GA 245 (1968), S 15 ff)“