Menschsein

Der Sänger Herbert Grünemeyer hat in seinem Lied „Männer“ einmal die wichtige Frage gestellt: Wann ist ein Mann ein Mann? Die wichtigere Frage ist für mich: Wann ist ein Mensch ein Mensch?

Es ist ja in der Regel nicht schwer zu entscheiden, ob ein Lebewesen nach seiner äusseren Gestalt zur biologischen Gattung des Menschen gehört oder nicht.

Das aber jemand einen menschlichen Körper hat, macht ihn oder sie oder es noch nicht zwingend zu einem humanen Wesen, zu einer Verkörperung von Menschlichkeit.

Ich denke, dass Lebewesen, die einen menschlichen Körper haben grundsätzlich erst auf dem Weg sind, menschlich zu werden. Der Körper stellt uns menschliche Lebewesen meines Erachtens also vor die Aufgabe mehr und mehr Mensch zu werden.

Eine Wurzel des Wortes Mensch hat mit der indogermanischen Silbe „men“ zu tun, die oft mit denken übersetzt wird. Daher ist eine Bedeutung des Wortes Mensch = gedankentragend oder auch Denkendes Lebewesen.

In vielen spirituell geprägten Traditionen gilt die Möglichkeit des Menschen zu denken und sich über die Denkkraft zu entwickeln oder zu entfalten als das höchste Gut und Potential im menschlichen Leben. In der abendländischen Kulturentwicklung gab es über Jahrhunderte eine Verengung des Denkbegriffs auf sprachlich oder mathematisch logisches Rekonstruieren und Abstrahieren von durch Körpersinne erfassbarer Wirklichkeit. Das hat sich zum Glück mehr und mehr als eine zu starke Verengung erwiesen.

Menschein heisst für mich immer mehr ein in alle Richtungen selbstständiger, sozial aktiver und verantwortungsbereiter Mensch zu werden.