Ein Tag mit Byron Katie

Letzten Samstag konnte ich einen Tag in einem Workshop mit Byron Katie verbringen. Sie war im Volkshaus in Zürich. In zweimal 3 Stunden Seminar hat sie ihre Methode „the work“ demonstriert und erläutert. Das war sehr spannend.

Byron Katie Zürich 2015
Byron Katie Zürich 2015

Die inzwischen rund 73-jährige, die letztes Jahr mit einer möglicherweise tödlichen Krankheit spitalisiert war, zeigte sich vital und konzentriert. Es war für mich deutlich spürbar, dass sie uns ihre Arbeit ao ernst und zugleich freilassend wie ihr gerade möglich nahe bringen wollte.

Ich selber habe einen guten Freund, der von the work sehr begeistet ist, konnte mich selber aber bisher nicht recht für das Durchlaufen der strukturierten Arbeitsweise erwärmen.

Ein Kernelement der Methode ist für mich aber schon lange selbstverständlich Teil meiner eigenen Praxis. Zenral für den Workshop war das Thema Ärger oder sich ärgern. Byron Katie zeigte auf, dass wir als Menschen im Ärger nie freundlich, nie gerecht und nie friedlich reagieren. Daher ist es zumeist für uns und andere schädlich, wenn wir diesen ungebremst ausleben. Er führt zu Krieg mit anderen oder in uns selbst. Dennoch enthält der Ärger verborgene Schätze für die Selbsterfahrung, die Selbsterkenntnis und das eigene Reifen. Denn in der Befragung (inquiery) zeigt der Ärger verborgene Anliegen oder Selbstheilungschancen der eigenen tieferen Persönlichkeit auf. The work ist also auch eine Methode zur Kommunikation mit dem Unbewussten und zur Gewinnung neuer Erfahrung,en Einsichten und Heilung an der Schwelle zwischen Bewusstem und Unbewusstem. Und diese Schwelle interessiert mich schon lange.

Die Methode the work führt auf eine strukturierte Art und Weise in dieses Gebiet hinein. Sie erfordet zusätzlich ein je individuelles Mass an Stille und Wille. Diese ermöglichen verbunden mit der Methode neue Erkenntnisse über sich selbst und die Welt.

Das mir bekannte Element oder die mir auch ohne die formale Anwendung der Methode bereits bekannte Realität in Bezug auf das Geheimnis des Ärgerns lässt sich in wenig Worte zusammen fassen. Denn das, worüber wir uns so fest beim jeweils anderen ärgern, ist etwas, das sehr viel mit uns selbst zu tun hat. Byton Katie erzeugt diese Rückbezüglichkeit des Gehalts des Ärgerns durch einen wörtlichen Turnaround verbunden mit wenigen weiteren unterstützenden Fragen. Das ist im Grunde wirklich eine sehr praktische und praktizierbare Art und Weise, den eigenen Ärger zu befragen und zu transformieren. Ich bin daher sehr froh, diese Methode nun besser zu verstehen und in der praktischen Anwendung live erlebt zu haben. Auf Youtube finden sich ja einige solcher Sessions, von denen ich in den letzten Jahren viele angehört und studiert habe. Es ist jedoch immer wieder erstaunlich und erfreulic, wie viel besser und wie anders eine tatsächliche Begegnung im gleichen Raum und zur gleichen Zeit ist. Hier wirken einfach noch ganz andere Kräfte und Erfanrungsmöglichkeiten mit.

Petrus Reliquien in Köln

Mit einem gewissen Erstaunen habe ich letzten Freitag den Domschatz vom Kölner Dom betrachtet. Dabei habe ich entdeckt, dass nicht nur die Gebeine der Heiligen Drei Könige ein starker Magnet für mich sind. Es sind auch andere Reliquien, die mich sehr berühren. So sind es – unter anderem – immer wieder Darstellungen und Reliquien vom Heiligen Sebastian, die mich beeindrucken. Hier aber waren es die einfachen Reliquien des Petrus und ein Nagel sowie Holzfragmente von der Kreuzigung Jesu, die mich berührt und bewegt haben.

 

Petrus Reliquien
Petrus Reliquien Domschatz Köln

Besonders beeindruckend – und meinen Glauben sowie meine Ansichten über das Urchristentum unterstützend – finde ich die Schlichtheit des Petrusstabs. Dieser steht in teils krassem Gegensatz zu den in der Regel unglaublich reich, ja verschwenderisch dekorierten und gearbeiteten Bischofsstäben, die an anderer Stelle im Domschatz ausgestellt sind. Diese zeigen eher einen Hang zu weltlichen als zu geistlichen Schätzen. Auch an diesem Original gibt es – wenn auch nicht sehr auffälligen – wertvollen Schmuck. Dieser wurde allerdings erst mehrere Jahunderte später, also nachträglich hinzugefügt.

Erschüttert haben mich auch die Kettenglieder, mit denen Petrus gefesselt war. Zumal eine Kreuzreliquie in diesem Domschatz dezent aber deutlich thematisiert, dass Petrus kopfrunter gekreuzigt worden ist. Die Fesseln, die Kettenglieder weisen – für mich – in ihrer Rohheit und Grösse bereits auf dieses tragischr Ende der Verfolgung von Petrus hin.

Lohnenswert: Buddhas-Reliquien auf Arte

Ein spannender Film in der Mediathek von Arte. Die scheinbar zufällige Entdeckung des Grabs von den Buddha-Reliquien, die der Familie Shakya zur Bestattung übergeben wurden. Die Shakya Familie ist Buddhas Blutsverwandschaft. Shakyamuni bedeutet auch soviel wie: Der Heilige der Shakyafamilie.

(Film leider nicht mehr verfügbar)

 

Lebensstrasse – Workshop

Ich freue mich auf den Workshop Anfang August mit Wilfried Schneider. Der Norddeutsche wird seine Arbeit zur Lebensstrasse vorstellen. Der Workshop wird am 7./8.8. in Zürich stattfinden: IKP Zürich Kanzleistraße 17,  8004 Zürich. Wer noch Interesse hat, findet vielleicht noch einen Platz. Die Anmeldung erfolgt über das IKP oder per Mail. Ein Infoblatt gibt es hier: Workshop ZÜRICH 2015.

 

Lebensstrasse legen
Lebensstrasse legen mit Wilfried Schneider

Die Arbeit mit der Lebensstrasse erlaubt eine durch Symbole repräsentierte Arbeit am Lebensweg und kann für verschiedene Fragen an das eigene Leben genutzt werden. Ein Einsatzgebiet ist das Verständnis der jetzigen Lebenskonstellation. Wie ist das eigentlich alles so geworden? Wie ist eigentlich meine Berufswahl verlaufen? Was hat mich in meinen Entscheidungen bestimmt? Ist das noch wichtig? – Manchmal geht uns im Leben der Bezug zur eigenen Biografie (teilweise) verloren und muss neu hergestellt werden.

Wilfried Schneider beschreibt seine Arbeit mit Symbolen auf seiner Webseite so: „Wo Sprache nicht ausreicht, beginnt die Arbeit mit Symbolen. Symbole der Hoffnung oder Es ist alles schon da. Du musst es nur finden. Alles beginnt mit den Fragen Was ist das Problem? Was soll anders sein? Wie soll es sein? Wie komme ich dorthin? Wer kann das in Lebenskrisen schon genau benennen? Damit verbundene Gefühle spüren, akzeptieren, ordnen? Das scheint oft schwer, unmöglich. Alle Interventionen und kreativen Medien sind in Situationen therapeutischer Arbeit entstanden, in denen Sprache nicht zur Klärung ausreichte. Sie sind Handwerkszeug, das der Klient im wörtlichen Sinne begreifen kann.“

Ich habe seine Arbeit durch eine Studentin von ihm in einem Kurzworkshop kennen gelernt. Und ich war sehr beeindruckt, wie einfache Gegenstände zu Symbolen für Kräfte, Stationen oder Ziele im eigenen Leben wurden. Das war beeindruckend. Hier konnte man ohne Überbau sehen, wie wir einen grossen Schatz von Weisheit und Kreativität mit uns tragen. Dieser kann, wenn die Sprache und das eigene Denken (scheinbar) versagen, durch Arbeitsmethoden, wie die von Schneider ans Tageslicht befördert werden.

Vielleicht gelingt es sogar, dass ich an diesem Workshop auf etwas stosse, das sich für mich bisher vor mir selbst verborgen hat. Ich bin gespannt.

Wissenschaft und Weisheit

Wissenschaft entsteht durch Studium und Experiment, Weisheit durch Denken und Erfahrung. Das eine schliesst das andere nicht aus, beide ergänzen sich vielmehr. Weisheitswissenschaften sind experimentelle Formen der Erfahrungsgewinnung durch Meditation, Alchemie oder Körperbeherrschung.

Goethes Faust kommt mit seinem Streben nach Erkenntnis dessen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“,  an eine Grenze, die er – in seinen Worten – mit Magie zu überschreiten versucht. Er will nicht einfach Metaphysik als Theorie studieren, sondern will theoretische Metaphysik mit Erfahrung verbinden. Dazu nutzt er symbolische Bilder als Meditationsgrundlage und hat sich offenbar auch in alchemistischen Experimenten (zusammen mit seinem Vater) versucht. Zugleich beherrscht er einige Sprüche (oder Mantren) der Gegenbeschwörung zur Abwehr schwarzer Magie.

Goethes Faust ist uns so nah, weil er lebensfreudig und persönlich alles anpackt, was ihn bewegt. Bloss theoretisches Wissen allein kann ihn nicht befriedigen. Denn grau mein Freund ist alle Theorie und am farbigen Abglanz haben wir das Leben. Erfahrunsgwissenschaft im Sinne von Goethes Faust muss also farbig sein und – wir würden heute vielleicht sagen – in 3D.

Johann Wolfgang von Goethe "Faust und Erdgeist", via Wikimedia Commons
Johann Wolfgang von Goethe „Faust und Erdgeist“, via Wikimedia Commons

In den Anfangsszenen von Goethes Dichtung lernen wir Faust kennen, wie er mit Hilfe von einem Buch (des Nostradamus) danach strebt, auf systematische und kontrollierte Weise neue Erfahrungen zu machen, um sich mit höheren Wesen zu beratschlagen. Es gelingt ihm dabei, den Erdgeist in einer Erscheinung zu erfassen. Er hört und erlebt den Erdgeist in einem Gesicht, also in einer wachbewussten Vision, die wie ein transluzentes Hologram vor ihm im Raum erscheint. Und offenbar kann der Erdgeist auch den Faust hören oder erleben, denn er reagiert auf dessen falsches Selbstbild und macht Faust deutlich, dass sein Konzept der Wirklichkeit nicht ausreicht, um sich mit ihm, dem Erdgeist, auf eine Stufe zu stellen. Diese interaktive Erfahrung fordert Faust heraus, sein Weltbild zu korrigieren. Gleichzeitig belebt ihn die Begegnung mit diesem tätigen Geist dazu, in die eigene Lebensgestaltung (wieder) aktiver einzugreifen. Unbewusst scheint sich in ihm die Einsicht gebildet zu haben, dass er sich selber in allen seinen Dimensionen besser kennen lernen und zum Ausdruck bringen muss, um vor dem Erdgeist bestehen zu können. Er weiss zunächst nicht wie. Daher ergreift er froh und wagemutig, die Erscheinung von Mephisto, um diesen an sich zu binden.

Im ganzen Drama kommt es zu keiner neuen Begegnung mit dem Erdgeist. Statt eine Bindung mit diesem geht  Faust eine Verbindung mit Mephisto ein. Dieserstammt nicht aus dem Kreise der Leben schaffenden und Leben gestaltenden Engelwesen, vielmehr ist er ein Repräsentant der Geister die Verneinen. Und damit wird deutlich, das Faust selber, das weitere Streben nach Begegnungen mit dem Erdgeist bis an sein Ende verneinen wird. Denn er bindet sich für den Rest seinen Lebens eben gerade an diese verneinende Kraft. Er kehrt sich also (zunächst) von seinem alten Ziel ab, zu erkennen, was die Welt im innersten zusammenhält. Er interessiert sich (scheinbar) nicht mehr für Wirkenskraft und Samen. Vielmehr möchte er Erfahrungen machen, die ihm ermöglichen sollen, mehr darüber zu lernen, wer er selber ist und was es heisst, ein Mensch zu sein. Er wird aber auch auf eine wissenschaftliche Auswertung seiner Erfahrung verzichten. Er verliert die Kraft der gewissenhaften Reflektion fasst ganz und lässt sich weitgehend durch Mephisto steuern. Damit wird er zu einem negativ Beispiel, das zeigt, wohin das blosse verneinen führen kann, oder wohin es gerade nicht hinführt. Denn Faust findet im Leben viele Erfahrungen aber keine Erfüllung. Zuerst ging er den Weg der Wissenschaft, dann sucht er nach Weisheit. Doch er scheitert sehr schnell an einem falschen Selbstkonzept. Um vorwärts zu kommen, muss er erst besser kennen lernen, was ihn zum Menschen macht. Was ihm bleibt ist der Schatz seiner Erfahrungen. Und an diesen nehmen wir als Lesende oder Zuschauende teil. Dabei profitieren wir auch von dem unglaublich breiten und nicht nur literarischen Erfahrungsschatz der Person und des Menschen Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832).

Durch seine Verbindung mit Gretchen und Helena arbeitet er an seinem psychisches Gleichgewicht (im Sinne von Animus und Anima oder Yin und Yang). Diese Arbeit bewahrt ihn davor, zum Zeitpunkt seines Todes Mephisto in die Hände zu fallen. Vielmehr werden die weiblichen Kräfte als Ausdruck der Leben schaffenden und erhaltenden Mächte im Universum zu einem Sinnbild der Weiterentwicklung und Evolution nicht nur der Gestalt, sondern auch des individuellen geistigen Selbst.

Vereinfachen

Es ist mal wieder soweit. Meine vielfältigen Interessen zerren in unterschiedliche Richtungen und fordern mich heraus, mein Leben wieder zu vereinfachen. Das bedeutet, ich verzichte auf bestimmte Aktivitäten und organisiere mich in manchen Feldern neu. Zudem setzte ich die Schwerpunkte leicht anders.

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(public domain, Autor Bo Krantz Simonsen)

Im Moment beschäftigen mich vor allem drei Dinge: meine vielfältige Arbeit für das Unternehmen Mitte, meine Fortbildungen im Bereich Buddhismus (Drikung Kagyu Tradition) und meine Arbeit als Dramaturgischer Berater für die Neuinszenierung von Goethes Faust am Goetheanum.

Mein Interesse vor allem am tibetischen Buddhismus entspringt meinen Studien und Meditationen im Feld der Anthroposophie, vor allem aus meinem Interesse an Karma, Wiedergeburt/Wiederverkörperung und Bewusstsein. Die Drikung Kagyu Tradition des tibetischen Buddhismus ist eine kleine Tradition von hoher Qualität. Ich schätze den persönlichen Übertragunsgstil, der sich vor allem auf persönliche Überlieferung stützt. Zur Wahrung der Authentizität wurden Methoden entwickelt, die formalisiert aber nicht bzw. nur grob verschriftlicht sind. Das finde ich sehr spannend.

Meine Beschäftigung mit Goethes Faust, geht bis in die Gymnasialzeit in Hamburg zurück. Die Beschäftigung mit Faust war zugleich meine Vorschule für die Mysteriendramen Rudolf Steiners und seiner Anthroposophie, die ich kurz nach Absolvierung des Gymnasiums kennen lernte.

Google Adwords Certified

Nun bin ich sogar Google AdWords Certified. Gestern und Vorgestern habe ich an einem Bootcamp bei Google Schweiz in Zürich teilgenommen und beide Prüfungen bestanden. Die Prüfung Grundlagen konnte ich mit 97% und die Prüfung Fortgeschrittene Themen mit 90% bestehen. Beides hervorragende Werte.

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Erfolgreich lernen macht Spass. Zumal wenn man von Google – in den gut dosierten Pausen – zusätzlich zum Lernstoff noch mit frischen Früchten, warmen und kalten Getränken und kleinen Häppchen versorgt wird.

Gleichzeitig mit dem Training für die Verwendung dieses Tools erhielt ich viele Einblicke in andere Tools von Google. Zum Beispiel in „MyBusiness„, „Webmaster-Tools“ oder „Analytics„. Zudem konnte ich Verschiedenes über die Werte und Kultur bei Google Schweiz erfahren. Das alles war und ist sehr hilfreich, um nicht nur diese hoch einflussreiche Firma zu verstehen. Es hilft natürlich auch dabei, die Angebote von Google besser, gezielter und effizienter zu nutzen.

Google AdWords zum Beispiel kann man nicht nur nutzen, um per Klick bezahlte Werbung zu schalten, sondern auch um überhaupt eine Sichtbarkeit auf verschiedenen Internet Plattformen anzustreben. Das ist auch an Bedingungen gebunden, aber längst nicht so kostenintensiv wie ich dachte. Überhaupt bietet Google viele Tools, um aus den eigenen Ausgaben den grössten Nutzen zu ziehen.

Ohje, ich bin nun wohl infiziert. … 😉

Das Arbeiten mit Google AdWords hat mir zudem nochmals sehr konkret verdeutlicht, worauf es bei der Gestaltung einer Webseite aus Sicht der Interessierten ankommt. Denn wenn man sich fragen muss, wie man den grössten Nutzen mit einer Google AdWord Anzeige herstellen kann, dann fragt man sich natürlich auch, wie gross der die Klarheit, der Wert und der Nutzen der Webseite an sich ist.

Selbst wenn man keine Werbung schaltet kann die Auseinandersetzung mit Google AdWords (oder vergleichbaren Tools) zu einer markanten Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit der betreffenden Webseite führen. Zumindest bietet diese Auseinandersetzung Möglichkeiten, Verbesserungspotenziale konkret festzustellen. Gegenüber der Nutzung von Google Analytics verschärft die Nutzung von Google Adwords das Interesse am Nutzerverhalten nochmals markant.

Vorbereitend zum Bootcamp habe ich an den Einführungen von Evelyn Leu teilgenommen. Sie hat auch das Bootcamp begleitet und die Teilnehmenden mitbetreut. Das hat alles super geklappt. Den Namen des lebendigen und kompetenten Kursleiters habe ich im Moment vergessen. Daher stellvertretend für alle Beteiligten auf Seiten Google: Vielen Dank Frau Leu.

Ich bin enttäuscht

Ja, ich bin enttäuscht. Denn es gab in meinem Leben verschiedene Lehrer oder Autoritäten die ein Ende des sogenannten Kali Yuga oder Eisernen Zeitalters zusammen mit dem Beginn des Goldenen Zeitalters (Satya Yuga) verkündet hatten. Nun stellt sich heraus, dass das (von mir) unmöglich so empfunden und gesehen werden kann. Und bei einer einfachen Recherche zu diesem Thema finde ich eine Erklärung dazu in folgender Grafik.

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Das ich enttäuscht bin/wurde, ist gut. Denn entweder habe ich mich selber getäuscht oder habe mich täuschen lassen. Nun aber wurde ich aus der Täuschung entlassen. Daher bin ich immer wieder gerne enttäuscht, auch wenn es sich meist zunächst nicht gut anfühlt. Denn a) wird dadurch klar, dass ich mich und die Welt auf falsche Art angesehen habe, und b) wird klar, dass ich aufgrund dieser Anschauung vielleicht vermeidbare Fehler begangen habe, sowie c) zu merken, dass die Basis Handeln/Glauben aufgrund von Aussagen von Menschen, die ich als Autorität ansehe, dadurch nicht zuverlässiger werden, dass ich sie als Autorität ansehe. Wir sitzen doch alle im gleichen Boot und sind immer wieder aufgefordert unsere Glaubenssätze und Annahmen zu prüfen, zu hinterfragen und unserer Erfahrung und eigenen Einsicht anzupassen.

Das obige Bild ist eine Darstellung, die ich im Zusammenhang mit dem Lehrer von Paramahamsa Yogananda, dem Inder Yukteshvara – es gibt verschiedene Schreibweisen -gefunden habe. Letzterer hat zu Lebzeiten eine vielbeachtete Arbeit namens „Die Heilige Wissenschaft“ verfasst. Hierbei geht es nicht um eine heilige Wissenschaft, sondern um eine Wissenschaft des Heiligen. (Rudolf Steiner hatte ebenfalls mal darauf hingewiesen, dass seine „Geheimwissenschaft“ nicht eine geheime Wissenschaft, sondern eine Wissenschaft des nicht sinnlich Offenbaren – aber durch das sinnlich Offenbare bereits vermittelte –  ist. Sie befasst sich also mit dem Gebiet der „spirituellen“ Erfahrung. Und bei Yukteshvara geht es auch um Spiritualität.)

In Zusammenhang mit der Lehre von den Yugas (Zeitaltern) und den Visionen (Anschauungen) von Yukteshvara wären wir keineswegs am Ende des Kali Yuga oder im Goldenen Zeitalter angekommen. Vielmehr befänden wir uns im Bronzenen Zeitalter.

Im Grunde ist das ja vielleicht nicht (mehr) so wichtig. Denn es ist ja inzwischen klar, dass solche Erklärungen oder Anschauung Ordnungscharakter haben und im besten Fall Trösten und Motivieren. Sie trösten über Probleme in der Welt hinweg, indem sie andeuten, dass diese Probleme eben auch Ausdruck eines unvollkommenen Zeitalters – also der Rahmenbedingungen unserer gegenwärtigen Existenz – sind. Und si motivieren Anstrengungen an der Schaffung einer neuen Wirklichkeit mitzuwirken, oder zumindest Durchzuhalten, bis eine neue Wirklichkeit – also bessere Rahmenbedingungen – entstehen.

Mir ist das nicht mehr so wichtig, weil ja klar, dass ich egal warum es so ist, mit dem Zurechtkommen muss, was gerade ist.

Die Krux ist natürlich. dass jede Art der Anschauung, mit ihren Begriffen und Gefühlen, die sie erzeugen oder wecken, an der Gestaltung meines Weltbildes und Welterlebens mitwirken. Daher ist es wichtig und nicht einfach nur blöd, sich mit Weltmodellen und Anschauungen zu befassen, die trösten und motivieren können. Vor allem aber sollen mir solche Modelle  Handlungsfähigkeit herstellen oder verbessern . Und sie sollen mir Einstellungen und Haltungen vermitteln, die sich als hilfreich, nützlich und der Gesundheit förderlich erweisen.

Inzwischen fühle ich mich besser. Ich bin enttäuscht worden und zunächst war es eine bittere Pille. Denn irgendwie hatte mir die Vorstellung gefallen, dass man sozusagen wie beim Lichtschalter einfach zwischen Dunkelheit und hellem Licht wechseln kann. In der Natur gibt es aber oft Übergange. In Europa mehr als am Äquator. Wir haben den Morgen und den Abend. Die Nacht, den Tag und die Dämmerung.

Vielleicht sind diese einfachen Metaphern, die man in ihrer Verschiedenheit jeden Tag und in Zusammenhang mit den Jahreszeiten als situativ verschieden erleben kann, besser geeignet, Veränderung und Rahmenbedingungen zu thematisieren als die grossen Bilder der Yugas. Es kann durchaus spannend sein, die kosmischen, astrologisch-astronomischen Zusammenhänge zu denken und sich zu fragen, welche Auswirkungen sie auf das eigene Leben und die Menschheit haben. Denn es ist ja relativ schnell sichtbar, dass es Einflüsse der Sterne und Planeten gibt. Auch wenn wir über das Prinzip der Entscheidung, sowie mit Zielsetzung und persönlicher Anstrengung Einfluss nehmen können. Persönlich finde ich jedoch die Suche nach den richtigen Intentionen und Anliegen wichtiger als die Reflexion auf die Rahmenbedingungen. Denn erst wenn mir meine Ziele oder Anliegen klar genug sind, stellt sich die Frage, ob die Rahmenbedingungen dafür gerade eher förderlich oder hinderlich sind. Ich denke, der Mensch hat heute die Aufgabe, sich damit auseinander zu setzen, einen eigenen Weg durchs Leben zu finden. Und daran ändert sich nichts dadurch, dass man die Gegenwart als Kali oder Satya Yuga anschaut. Wichtig aber scheint mir, dass das eigene Anschauen bemüht bleibt, die Wirklichkeit so zu erfassen, dass diese Anschauung sich als hilfreich nicht nur für das eigene Ego, sondern für das ganze Eco-System erweist. (Man kann hier vielleicht merken, dass ich auch mit Otto Scharmers ULab bzw. seinem Modell „Leading from the Emerging Future“ befasse …)

Wenn ich enttäuscht (worden) bin, freue ich mich (manchmal erst nach einer Weile), dass ich der Wirklichkeit ein Stück nehmen gekommen bin.

Beim Isenheimer Altar

Kürzlich  war ich wieder einmal  beim Isenheimer Altar im Museum Unterlinden in Colmar. Ich bin sicher kein klassischer Wallfahrer. Aber ich muss einfach diese Kreuzigung mindestens ein paar Mal im Jahr sehen. Dann geht es mir besser. Ich finde diese Malerei von Matthias Grünewald sehr beeindruckend. Sie ist keine blosse Illustration der historischen Überlieferung, sie manifestiert etwas, was mich berührt.

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Zurzeit befindet sich der Altar sowie die Gemälde von Martin Schongauer allerdings nicht im Museum selber, sondern in der nahe gelegenen Dominikanerkirche. Diese dient schon länger ebenfalls als Museum. Sie beherbergt schon lange eine wunderbare Darstellung von Maria im Rosenhaag.

Mein Schnappschuss kann den Altar bzw. das erste Triptychon natürlich nur mehr andeuten als zeigen. Aber schon hier werden verschiedene Rottöne deutlich, die einen Zusammenhang zum Blutkreislauf haben. Ganz links wird der Märtyrer Sebastian von einem hellroten, durchlichteten Tuch umwogt, während rechts aussen der Heilige Antonius mit einem schweren Stoff umhüllt ist. So werden malerisch arterill frisches und venöse erschöpftes Blut thematisiert. Die gekreuzigte Jesusgestalt in der Mitte zeigt ein aus seinen Wunden dick zähflüssig tropfendes Blut. Er ist flankiert von Johannes dem Evangelisten (links) und Johannes dem Täufer rechts. Diese sind ebenfalls mit roten Umhängen umgeben. Links ist der Stoff dicht aber edel und rechts wird er grob und durch die Kombination mit einem Fell nahezu animalisch. „Blut ist ein ganz besonderer Saft.“

Der Künstler Matthias Grünewald hat in seinen Isenheimer Altar soviel konkretes Wissen, soviel Dynamik, Lebensweisheit und praktische Kenntnisse hineingemalt, das mir vom Bedeutungsüberschuss in diesem Werk immer wieder halb schwindelig wird. Dann aber stellt sich eine erhabene Stimmung ein, wie sie (aus meiner Sicht) vor allem grosse, wirklichkeitsnahe Kunst erzeugen kann.

Ich finde es grossartig, dass dieses bedeutende Werk so leicht zugänglich in der Nähe von Basel zu finden ist. Die Altstadt von Colmar ist selber schon eine Reise wert. Kaum befindet man sich in einem Zug von Basel nach Colmar, ist man bereits auf einem Kurzurlaub im Elsass. Das gefällt mir.

Blumenreich Ägypten

Die Ausstellung Blumenreich Ägypten im Antikenmuseum Basel ist ein schöner Ort kultureller Erfahrung. Am gestrigen Sonntag habe ich an einer lebendigen und anregenden Führung zur (bis 29.3. verlängerten) Sonderausstellung teilgenommen.

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Der eigentliche Gegenstand oder Auslöser der Sonderausstellung ist auf den ersten Blick recht unscheinbar. Es sind (ich meine) 16 kleinere Zusammenstellungen getrockneter Blumenteile, die bei einer Ausgrabung um 1881 entdeckt worden waren. Das besondere an diesem Fund ist, dass er einen Zugang erlaubt zu den tatsächlichen Bestattungspraktiken des alten Ägyptens. Zugleich wird klar wie aktiv und geschickt die Ägypter die Ressourcen und vor allem auch die Blumen in ihre Rituale und Weltsicht eingebaut haben.

Die Grundlage der alt Ägyptischen Kultur war eine genaue Beobachtung und Analyse der Rhythmen und Gestaltungsprinzipien der Natur im Niltal.

Aus diesen leitete sich ein Unsterblichkeitsglaube ab, der meine eine Theorie auf der Basis von Beobachtung als eine Formulierung psychohygiensicher Hilfsvorstellungen darstellt.

Auf eine beeindruckend klare, sorgfältige und fröhliche Weise haben die Ägypter eine präzise Vorstellung der zyklischen Erneuerung der Natur und aller Lebewesen in ihr gebildet. In diese zyklische Erneuerung haben sie selbstverständlich den Menschen miteinbezogen. Und sie haben erkannt, dass der Mensch nicht nur als Naturwesen dem Werden und Vergehen unterliegt, sondern auch der eigene Geist als erlebendes und gestaltendes Innenwesen.

Allerdings wird der Geist nach dem Tode einer Reihe von Prüfungen unterzogen, um herauszufinden, ob er wirklich schon Bestand haben kann. Um Bestand zu haben, muss der Mensch einiges können. Dazu gehören Selbstbeherrschung, Sprachbeherrschung, Formelwissen und Gemeinwohlorientierung.

Daher wurde um den Tod herum eine intensive kultisch-rituelle Handlungswelt aufgebaut. Zu dieser gehörten nicht nur die bleibenden Formen der Architektur oder Kunst, sondern eben auch die Blumen und Blüten dieser besonderen Natur- und Kulturlandschaft am Nil.

Blumen sind ausgesprochen vergänglich. Das Herstellen aufwendiger Kränze, Girlanden und Schmuckketten wird trotz der geringen Haltbarkeit durchgeführt. Solche Aktivitäten sind selber Vergegenwärtigungen der Vergänglichkeit und weise über das Tätigsein und die Intention der Tat bereits über diese hinaus.

Wenn solche blütenzarte Schmuckfunde in Spuren nach über 3000 Jahren bei einer Graböffnung gesichert werden, dann berührt das nochmals besonders. Und angesichts einer Welt voller Unsicherheiten wird das Zubereiten von Blütenschmuck zu einem besonderen Weckruf.

Es sind für mich die Vorbereitungen auf die nachtodlichen Prüfungen und die Erinnerung an das ewige Werden und Vergehen, was mir sowohl Menschlichkeit vergegenwärtigt als auch Wesentliches erkennbar macht.